Kraniche im Mondschein an der Müritz

Eigentlich war der Plan ein ganz anderer
In der letzten Nacht war ich mal wieder auf Fotopirsch. Eigentlich waren Polarlichter angesagt.
Obwohl ich nicht wirklich daran glaubte, dass auch Kraniche vor Ort sind, fuhr ich zum Kölpinsee.
Mein Plan war, dort Kraniche zusammen mit den Polarlichtern zu fotografieren.
Meine Vermutung bestätigte sich allerdings. An der passenden Stelle waren keine Kraniche zu sehen.
Also änderte ich meinen Plan und fuhr weiter zur Müritz.
Nur sieben Kraniche an der Müritz
An meiner nächsten Stelle angekommen, entdeckte ich tatsächlich Kraniche. Allerdings war es nur eine sehr kleine Gruppe von sieben Tieren.
An genau dieser Stelle habe ich schon mehrere Hundert Kraniche gleichzeitig stehen sehen.
In unmittelbarer Nähe ankerte ein Segelboot, was möglicherweise der Grund dafür war, dass die Kraniche woanders übernachteten.
Eigentlich wollte ich herausfinden, ob sich die Stelle für Kranichfotos zum Sonnenaufgang eignet.
Bei meiner Ankunft war es aber erst gegen 23:00 Uhr.
Mehrere Stunden auf den Sonnenaufgang zu warten, obwohl nur wenige Kraniche vor Ort waren, erschien mir wenig sinnvoll.
Dann kam mir eine andere Idee.
Der Mond änderte meinen Plan
Da ich verschiedene Apps zur Planung meiner Fotos nutze, wusste ich, dass der Mond kurz nach Mitternacht in einer für meinen Standort passenden Richtung aufgehen würde.
Statt auf den Sonnenaufgang zu warten, wollte ich versuchen, die Kraniche zusammen mit dem aufgehenden Mond auf ein Foto zu bekommen.
Jetzt hieß es warten und hoffen, dass die Kraniche an ihrer Position blieben und gleichzeitig der Mond dort auftauchte, wo ich ihn für das Foto brauchte.
Zunächst lag allerdings ein Wolkenschleier vor dem Mond. Irgendwann kam er dann doch zum Vorschein und damit begann der schwierigste Teil.

Fotografieren am Limit des Dynamikumfanges
Kraniche vor dem Mond zu fotografieren klingt zunächst relativ einfach. Tatsächlich arbeitet man dabei mit einem extremen Helligkeitsunterschied.
Der Mond ist sehr hell, während die Kraniche und die Landschaft in der Nacht fast vollständig im Dunkeln liegen.
Belichte ich zu hell, geht die Kontur des Mondes verloren. Belichte ich zu dunkel, verschwinden die Kraniche und der Vordergrund.
Dazu kommt die lange Brennweite.
Bei 400 mm kann ich nicht länger als vier Sekunden belichten, weil die Bewegung des Mondes sonst bereits zu Unschärfe führt.
Damit bleibt für eine Nachtaufnahme nur eine sehr kurze Belichtungszeit.
Die Kraniche müssen ebenfalls scharf sein
Die nächste Schwierigkeit ist das Fokussieren.
Solange der Mond noch nicht im passenden Bildbereich steht, muss ich in der Dunkelheit versuchen, die Schärfe manuell auf die Kraniche zu legen.
Selbst wenn das gelingt, besteht die Gefahr, dass sich die Kraniche während der Aufnahme in der Entfernung minimal bewegen und somit nicht mehr in der Schärfeebene liegen.
Nur wenige Minuten für das richtige Foto
Auch der Bildausschnitt funktioniert nur für kurze Zeit.
Der Mond steigt kontinuierlich höher und bewegt sich gleichzeitig durch das Bild. Irgendwann steht er zu hoch, um ihn zusammen mit den Kranichen in meinem gewünschten Ausschnitt und Brennweite fotografieren zu können.
Gleichzeitig musste ich meine eigene Position verändern, damit Mond und Kraniche immer wieder passend zueinander standen.
Damit gab es nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem alles zusammenpassen konnte.

Wenn mehrere Dinge gleichzeitig passen müssen
Bei solchen Aufnahmen entscheidet nicht nur eine Kameraeinstellung darüber, ob das Foto gelingt.
Die Kraniche müssen an der richtigen Stelle stehen und möglichst ruhig bleiben. Der Mond muss sich an der passenden Position befinden.
Die Wolken müssen den Mond freigeben. Schärfe, Belichtungszeit und Helligkeit müssen stimmen und gleichzeitig bleibt für die gewünschte Bildkomposition nur wenig Zeit.
Genau das macht solche Fotos für mich interessant.
In dieser Nacht waren eigentlich Polarlichter und später vielleicht Kraniche zum Sonnenaufgang geplant.
Am Ende entstand ein Foto, das ich zu Beginn der Nacht überhaupt nicht geplant hatte.


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